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Kino 09.10.2026

Für diesen Kriegsfilm schlug der Regisseur seine jungen deutschen Schauspieler – später schämte er sich

Für diesen Kriegsfilm schlug der Regisseur seine jungen deutschen Schauspieler – später schämte er sich
Bis heute zählt Die Brücke wohl zu den einflussreichsten Anti-Kriegsfilmen aus Deutschland. Regisseur Bernhard Wicki hätte dennoch gerne eine Sache anders gemacht, die nicht in Ordnung war.

Es gibt viele Kriegsfilme, die sich mit der Sinnlosigkeit bewaffneter Konflikte auseinandersetzen. Aber nur wenige von ihnen zeigen dies so eindrücklich wie Bernhard Wickis Anti-Kriegsfilm Die Brücke von 1959. Im Gegensatz zu vielen Filmen, die vorher in der Bundesrepublik über den Krieg gedreht wurden, konnte man hier keine deutschen Helden sehen. Stattdessen standen sieben Jugendliche im Mittelpunkt, die in den letzten Kriegstagen von der Schulbank an die Front geschickt wurden.

Die Brücke zeigt, welche Konsequenzen aus einem falsch verstandenen Idealismus folgen können

In den letzten Kriegstagen war bereits abzusehen, dass Nazideutschland keine Chance mehr hatte. Dennoch wollte die Streitmacht sich nicht geschlagen geben und zog sogar Kinder aus Schulen ein, um sie an die Front zu schicken. Diese Entscheidung betraf auch sieben Jugendliche, die von ihrem Offizier an einer Brücke postiert werden, um diese zu verteidigen.

Dass diese Brücke strategisch völlig nutzlos ist, sagt der Offizier natürlich nicht. Er selbst hat seinen Sohn im Krieg verloren. Die Kinder an der Brücke zu postieren, ist sein Versuch ihnen das Leben zu retten. Immerhin rechnet er nicht mit Kämpfen an dieser Stelle.

Laut eigener Aussage ging es Regisseur Bernhard Wicki nicht darum, Offiziere oder Soldaten zu verteufeln, sondern die Kriegsmaschinerie anzuklagen. Wie Deutschlandfunk Kultur  2009 berichtete, wollte der preisgekrönte Regisseur und KZ-Überlebende zeigen, wohin der fehlgeleitete Idealismus und die falsche Erziehung des nationalsozialistischen Regimes geführt haben.

"Das waren echte Tränen"

Für die Hauptrollen wählte er unbekannte Jungdarsteller aus, um die größtmögliche Authentizität zu erreichen. Fritz Wepper, der später in Derrick und Um Himmels Willen zu sehen war, wurde beispielsweise als 18-Jähriger an einer Bushaltestelle entdeckt und für die Rolle des Albert Mutz besetzt, wie bei der FAZ  zu lesen ist. Wicki wandte für die Schauspielführung unangemessene Methoden an, um die gewünschten Reaktionen hervorzurufen, darunter Ohrfeigen oder Sand in die Augen zu streuen. Für diese Methoden schämte Wicki sich später, wie es beim Deutschlandfund heißt. Wepper erinnerte sich später:

Das waren ja echte Tränen, die ich damals vergossen habe.

Der Effekt des Films war dennoch groß. Die Brücke erhielt viele Preise, darunter den Golden Globe den besten fremdsprachigen Film, und war auch für den Oscar nominiert. Die größte Ehrung für Wicki waren laut eigenen Aussagen jedoch Briefe junger Männer, die ihm berichteten, sein Film sei der Grund, weshalb sie den Wehrdienst verweigerten.

Auch interessant:
  • Diese berühmte Schlacht wurde an einem ganz anderen Ort gedreht
  • Die Brücke bei der Bundeszentrale für politische Bildung 

Wer den Film von 1959 nachholen will, kann Die Brücke derzeit bei MagentaTV im Abo streamen. Bei der Bundeszentrale für politische Bildung gibt es außerdem eine DVD-Edition, die für günstige 2,50 Euro bestellt werden kann.

Zum Originalartikel →

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